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Der Ewige Kreislauf: Tempokampf mit Volt und Watt
27 Marzo 2020

Der Ewige Kreislauf: Tempokampf mit Volt und Watt

Geschwindigkeitsrekorde mit Elektrofahrzeuge purzeln jedes Jahr, auch mit Volt und Watt geht es immer schneller. Brauchbar sind diese Daten zwar nicht, da die Rekordfahrzeuge wenig mit den heutigen elektrischen Serienfahrzeugen gemein haben, trotzdem helfen die Rennen immer wieder bei Verbesserungen der Komponenten, Motoren und Batterien und ... vor allen Dingen, sie geben auch dem Elektrofahrzeug das Flair der Schnelligkeit, die aus dem Bauch kommenden Emotionen, die wir in der Welt der Automobile, gerade wenn sie jetzt umweltfreundlich sind, immer wieder brauchen. Das war schon früher so!

Das erste Automobil, welches die gefürchtete Geschwindigkeit von 100 km/h durchbrach, war ein Elektrofahrzeug. Und das schon 1899! Ein typisches Kräftemessen unter Männern, die genug Bares besassen, um die Entwicklung von Fahrzeugen zu forcieren. Der französische Graf Chasseloup-Laubat arbeitete mit dem ersten französischen Serienhersteller von Elektrofahrzeugen Charles Jeantaud zusammen, um seinen Herausforderer, den Belgier Camille Jenatzy, der elektrische Taxis in seiner Pariser Firma Compagnie Genérale des Transports Automobiles baute, zu besiegen. Nachdem die Motoren und die Batterieleistungen an ihre Grenze stiegen, arbeiteten beide an aerodynamischen Formeln, ohne sie zu kennen, und an neuen Materialien, um ihre Fahrzeuge leichter zu machen. Es entstand die Raketenform beim Jenatzy und die Keilform und der Unterbodenschutz beim Jeantaud. Und die Verwendung einer speziellen Aluminiumlegierung bei der Karosserie.

Der Jeantaud erreichte bald über 90 km/h, aber der Belgier gab nicht auf und vereinbarte eine Demonstrationfahrt auf einem Teilstück der Strasse von Achères nach Paris, für den April 1899. Jeantaud und Chasseloup-Laubat blieben Zuschauer, die Mediziner warnten den Belgier, bloss nicht die Schallmauer der 100 km/h zu überschreiten, da sie annahmen, dass sich bei dieser Geschwindigkeit die Körperflüssigkeiten erhärten könnten. Die anwesenden Religiösen beteten gen Himmel, sie waren überzeugt, dass der liebe Gott Blitz und Donner schicken würde. Bei der ersten Durchfahrt am 1. April konnte wohl aus Schrecksekunden die Geschwindigkeit nicht gemessen werden, was zu einem erneuten Anlauf wenige Tage später führte. Am 29. April konnte der Rekord von 105,85 km/h aufgestellt werden. Der rothaarige Belgier hat dies unbeschadet überlebt, trotzdem waren sich beide Kontrahenten einig, dass sie ihre Versuche einstellen würden. Es brauchte zwei Jahre, bis ein Automobil wieder an diese hohe Geschwindigkeit herankam, es war ein Dampfwagen von Serpollet.

Der amerikanische Fabrikant von Elektrofahrzeugen Baker aus Ohio baute nicht nur zahlreiche Elektrofahrzeuge, sondern war auch Spezialist für Kugellager, die er als grosse Neuheit in seine Modelle einbaute, um die Reibung der technischen Teile zu reduzieren. 1902 wollte er das schnellste Elektrofahrzeug der Welt bauen, das zwei Personen sicher auf der Strasse transportieren könne. Ein langes robustes Fahrgestell, mit Batterien vorne und hinten, erhielt eine torpedoförmige Karosserie, grosse Räder und viele Kugellager. Die zwei Insassen sassen in einem geschlossenen kleinen Innenraum, beide zusätzlich noch mit einem Helm aus Mica geschützt. Das Fahrzeug konnte mindestens 150 km/h erreichen, dazu brauchte es eine gute Lenkung, präzise aber leicht, um es auf der Strasse halten zu können. Während Walter Baker das Fahrzeug lenkte und die Bremsen bediente, kontrollierte sein Beifahrer den Volt- und das Tachometer.

Am Tag der Vorstellung im South Shore Boulevard Grand City, in Staten Island, erreichte das Fahrzeug kurzfristig 160 km/h – viel zu viel für die zahlreichen Zuschauer, die keinen brüllenden Motor hörten, sondern nur ein Summen, das sich gefährlich schnell näherte. Einige Personen übersprangen die Absperrung und Baker musste eine Notbremsung einleiten: zuerst einen Kurzschluss, um dann voll auf die mechanischen Bremsen zu steigen. Die Wirkung war so kräftig, dass das Fahrzeug nur schwer auf Kurs gehalten werden konnte, eine Reaktion, die die Zuschauer unerwartet traf. Die Menschen waren auf die summende Schnelligkeit nicht vorbereitet, sind wir es heute?

Zwischen 1902 und 1903 kamen noch zwei weitere Baker-Rennwagen zum Einsatz, die kleinen leichten Torpedo-Kids, die mit ihrer aerodynamischen Karosserie neue Geschwindkeitsrekorde erzielten, die aber nie aufgezeichnet und bestätigt wurden. Laut Baker erstand die Form beim Betrachten eines Öltropfen, der nicht rund, sondern eher ellyptisch ist, was dem Fahrtwind weniger Resistenz bietet. Im Vergleich zu anderen Rennfahrzeugen in jenen Jahren sahen sie aus wie Modelle aus einer anderen Welt.

Über 90 Jahre später, 1994, präsentierte Nuccio Bertone sein ZER (Zero Emission Record), ein revolutionäres Rekordfahrzeug mit 34 zwischen den Rädern eingebetteten Blei-Säure Batterien von FIAMM. Der Luft-widerstandsbeiwert des Fahrzeuges lag bei Cw 0,12, die Stirnfläche erreichte knappe 0,62 m2, das Gewicht 890 kg. Am 21. Mai 1995 war es soweit: der ZER brach auf der NARDO Rennstrecke von Lecce, mit Oscar De Vita am Steuer, die 300 km/h-Marke mit einem Wert von 303,997 km/h.

In jener Zeit gab es zwei harte Konkurrenten, die mit allen Mittel versuchten, die Rekorde für Elektrofahrzeuge zu brechen. Das englische Team mit dem Piloten Donald Wales und verschiedenen Versionen ihres Bluebird genannten Renners, das seit Anfang der neunziger Jahre versuchte, die 300 km/h-Marke zu brechen (und jahrelang den britischen Rekord von 224 km/h hielt) sowie das auch britische Team von Mark Newby und Colin Fallows, die in Zusammenarbeit mit ABB ihren e=motion Renner mit über 500 PS Leistung auf über 450 km/h bringen wollten. Es war – und ist – alles andere als einfach solch hohe Geschwindigkeiten mit einem elektrischen Antrieb zu erreichen, mit den gleichen Problemen wie damals: den Einklang von Antriebsstrang, Batterien und Management.

Seit 2016 liegt der Geschwindigkeitsrekord von einem Elektrofahrzeug offiziell bei 576 km/h (Dauergeschwindigkeit über 1 Meile bei 549,43 km/h), erreicht vom französischen Venturi VBB-3 (Venturi Buckeye Bullet), eher eine Rakete als ein Automobil – aber, wie man vergleichen kann, war es damals nicht anders: auch der Jamais Contente von Jenatzy sah einer Rakete ähnlicher. So schliesst sich wieder der ewige Kreislauf der Wiedergeburt, des Sansára, wie die Inder dazu sagen.

Bildlegenden:
01: Der Franzose Chasseloup-Laubat bei einem seiner letzten Rekordversuche auf Jeantaud – schon mit der Keilform von 1899.
02: Camile Jenatzy bei der Siegesfeier auf seinem Jamais Contente    beides zeitgenössige Abbildungen
03: Der Baker Rennwagen erreichte kurzfristig 160 km/h   zeitgenössige Abbildung
04: Wie aus einer anderen Welt sah der kleine Baker Torpedo Kid von 1903 im Vergleich zu seinen Konkurrenten aus.
05, 06: Bertone ZER bei seinen Rekordversuchen   Fotos: Bertone/Archiv Manz
07: Don Wales auf Bluebird Electric  Pressefoto Archiv Manz
08, 09: Seit 2013 versuchte Venturi um den Geschwindigkeitsrekord auf dem Salzsee von Bonneville, 2016 war es schliesslich soweit. Die neue Version VBB-3 konnte den Rekord des Vorgängers VBB 2.5 knacken. Fotos: Venturi/Archiv Manz
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